Dienstag, 19. Februar 2013
Die Ignoranten.
Dann lese ich wieder einen Ignorantenaufregbeitrag über Vegetarier und Veganer, über Sexismus, über Hartz-4ler, über den Klimawandel, über „das Ausländerproblem“. Mit den immer gleichen platten, stumpfen, hunderte Male wiedergekäuten Phrasen. Ständige Wiederholung macht eine Lüge nun mal nicht wahr. Das Traurige aber, das mir die Galle hochtreibt: Sie lügen nicht einmal, sie HABEN EINFACH GAR KEINE AHNUNG!
Und sabbern ihre schon tausendmal gehörte Scheiße wieder über meine Augen und Ohren, diese ansteckende Krankheit, diese sich stetig verbreitende Volksverdummung.
Immer schön laut herumbrüllen. Wenn man den Kopf neigt und nur laut und lange genug rülpst, dann kann man irgendwann fliegen wie eine Rakete. Meinen die Uninformierten, die freiwillig Bildungsfernen, die erstmal laut „Hurra! Zackzack!“ schreien müssen, bevor sie auf die Idee kommen, nachzugucken, ob das, was sie da schreien, überhaupt richtig ist – und die dann diese Idee einfach verwerfen!
Schlimmer noch: Dann kommen die Wahrheitssprecher mit ihren Bündeln von Informationen, Quellen, Beweisen, Belegen, Hintergründen und Dingen-die-verfickt-nochmal-einfach-so-sind-also-halt-dein-maul-und-hör-zu-du-dämliches-stück-Scheiße, und was machen die Ignoranten? Hände auf die Ohren, tief Luft holen und LALALALALALALALALALALA.
Wirklich. Sie tun das. Ich hab es oft genug erlebt.
„Aber gut, lässt man sie halt in Ruhe, sie schaden doch niemandem.“ Wer so denkt, der möge sich bitte neben sie stellen, damit er mit der Maschinenpistole auch wirklich alle erwischt. Wenn er denn mal kommt. (Der kommt ohnehin nie.)
Ich möchte es noch einmal probieren. Einen Versuch möchte ich noch unternehmen, diese Krankheit zu vertreiben, damit ich mich nicht wieder mit ihr anstecke:
Ihr Ignoranten, Ihr Menschen, die ihr eine Meinung zu einer Sache habt, und nur eine Meinung, ohne Betrachtung, ohne verschiedene Perspektiven, ohne jemals nach den Grundlagen für diese eine Meinung gesucht zu haben, ohne überhaupt zu wissen, warum ihr diese Meinung denn vertretet – ich flehe euch an, im Namen der Wahrheit, im Namen der Diskussion, im Namen des menschlichen Fortschritts, der Hoffnung auf ein Zusammenleben, bei dem ein jeder nach seiner Façon glücklich werden kann, weil er selbst jeden anderen respektiert und schont, ich flehe euch an: Hört mit offenen Ohren zu, betrachtet mit kritischen Augen jede Meinung, egal ob eure eigene oder die eines anderen, und geht davon aus, dass ihr euch irren könnt und auch wirklich irrt. Und vor allem: Seid neugierig! Interessiert euch dafür, wie man das, wovon ihr eine Meinung habt, sonst noch betrachten könnte, ob das, was ihr glaubt, wahr ist und stimmt. Setzt nicht einfach voraus, dass die Welt so ist, wie ihr sie kennt.
Und falls ihr taub und blind bleiben wollt, falls es euch einfach nicht interessiert und ihr weiterhin in eurer einfältigen, eindimensionalen Welt bleiben wollt – dann, bei allen Göttern, dem Alienimperator von Alph-Centauri und bei Richard Dwakins – haltet einfach euer dummes Maul geschlossen, verkneift euch eure wissentlich zurückgebliebenen Kommentare, schluckt eure Binsenweisheitsgülle hinunter, springt von mir aus aus dem Fenster oder jagt euch eine Kugel in den Kopf, aber haltet dieses von Stumpfheit und Dämlichkeit verpestete Maul, damit die, die noch nichts wissen, von euch nicht in die Irre geleitet werden, von euch nicht vergiftet werden, denn ihr seid gefährlich, ihr unwissenden, ungebildeten Nichtmenschen.
Haltet euch einfach raus, solange ihr nicht wisst, worum es geht.
Geht davon aus, dass ihr *nicht* wisst, worum es geht, solange ihr nicht wirklich nachgeschaut habt, worum es geht.
Und haltet die Fresse.
Danke.
Montag, 31. August 2009
Rezensiert die Rezension! - Teil 1
Mir stand der Mund offen (vor Staunen, vor Lachen), als ich die uninformierte Schreibe las. Ich zitiere:
Zumindest wird es verdammt dunkel, bis hin zu zappenduster, wenn ich im Myspace-Profil der Band lese, dass sie mit Graf Tarek den “Duke of munichs Gothic Scene” mit an Bord haben. Klar, im Electro Ghetto hat er natürlich die meisten Bitches gefickt. Da erlag man doch gerade so der Illusion, dass die Goth-Szene es nicht nötig hat, sich Leitwölfe im Bushido-Style herauszupicken, alta.
Hätte Fenriz eine ordentliche Recherche durchgeführt - die eigentlich zu jedem halbwegs guten Journalismus dazugehört, und Plattenrezensionen gehören im weitesten Sinne dazu -, dann wäre ihm vielleicht aufgefallen, wie unpassend seine Zeilen sind. Aber lassen wir die Bilder sprechen:
Bushido, offizieller Ficker von Mütternund Hardcore-Rap-Kerl, der sich bzgl Bitches-Ficken und Leitwolf-Sein bereits einen Namen gemacht hat:


Harte Sau, wa? Manche stehen auf ja ihn, sei es ihnen vergönnt.
Schauen wir uns nun doch einmal Graf Tarek an:


Das ist also der Bushido von München, der im Electro Ghetto natürlich die meisten Bitches gefickt hat und ein Leitwolf im Bushido-Style ist, alta.
Klar. Man sieht es ihm ja schon an. Die Ghetto-Kleidung, dieses verschlagene Grinsen, der offensichtlich zur Schau getragene Chauvinismus - keine Frage, dieser Kerl ist abgrundtief krass, ein echter Checker und du legstisch bessä nisch mit im an, alda! Weil sons fickder deim Mudda.
(Lest euch den letzten Satz nochmal durch und schaut ihm dann in die Augen... :-D)
Lieber Fenriz, ich kann es nachvollziehen, dass dir der Spruch "Duke of Munich's Gothic Scene" aufstößt, denn solche Bezeichnungen finde ich ebenfalls total übertrieben, unnötig und blääähhh. Aber bevor du dich dazu hinreißen lässt, Benjamin Blümchen mit Eminem zu vergleichen, tu uns allen den Gefallen und schau nach über WEN du da überhaupt redest. Sonst kommt irgendwann jemand auf die idee und sagt er hier
=>
wäre ja voll peinlich weil sowas wie das hier:

Oh Fenriz aus dem Zauberland, Reich mir deine helfende Hand!
(wobei eine gewisse Ähnlichkeit in den Augen... und er kriegt seine Sprüche ja auch nur selten so richtig... aber nein... lassen wir das)
Montag, 24. August 2009
Random Rant I - Vom Staatsfeindle
Als ich dieses Lied das erste Mal hörte, wollte mir die Melodie in die Beinchen kriechen, doch irgendwas ließ mich stutzen und ich verharrte in stirngerunzelter Starre: Was singt der Mann da? Ich lauschte also ein wenig und aus meinem Stirnrunzeln wurde ein Blick, der sich am besten mit -.- ausdrücken lässt. (zeitweise kam auch das hier durch.) Jedenfalls hörte ich mir den Text an und fragte mich, in was für einer Welt dieser Kerl (bzw einer von diesen) eigentlich lebt? Oder ob er nicht unter massiver Selbstüberschätzung gepaart mit starkem Realitätsverlust leidet. Aber besser zum Text, damit der geneigte Leser versteht, weshalb ich am Hinterkopf schon ein Loch vor lauter Kratzen habe.
Agonoize - Staatsfeind
Ich frag mich schon seit geraumer Zeit
Fehlts diesem Land an Gerechtigkeit?
Wo ist der Sinn? Wo ist die Struktur?
An diesem Übermaß an Zensur
STAATSFEIND!!!
Soweit, so gut. Es scheint also eine Gesellschaftskritik zu werden. Darauf - muss ich zugeben - steh ich ja eigentlich. Aber die Freude weilt nur kurz und weicht blanker Ernüchterung:
Bin ich pervers nur weil ich auf andre Dinge steh? o.O
Und die Welt, nicht mit deinen Augen seh? ... was redet der da?
Das ganze Land, versinkt in einer Lethargie
Es bleibt kein Raum mehr für Ideologie aua... -.-
Es ist der Frust einer Generation
Die Zeit ist reif für die Revolution
Hab keine Lust mehr nur noch stumm zu sein
Denn manchmal möchte ich nur noch schreien!
Ja, schreien möchte ich da auch. Muss man denn wirklich, nur um des Reimes Willen, aus den schönen Idealen, die der werte Herr Blutverschmier wohl meint, unbedingt Weltanschauungen machen? Aber ich möchte kurz zitieren, um hervorzuheben, was der Schreiber der Zeilen da denn gerne hätte: "[Ideologie] kann synonym zu „Weltanschauung“ Verwendung finden. Meist schwingt eine negative Konnotation mit. „Ideologie“ bezeichnet in einem wertenden Gebrauch dann z. B. ein ungerechtfertigterweise festgefügtes und einseitiges Weltbild." (Quelle: wikipedia.de). Das heißt, er würde gerne ein Land haben, das nicht lethargisch ist, sondern sich in einseitigen, starren Weltbildern verläuft, vielleicht wie zur Kaiserzeit oder sowas. Alles klar...
Es kotzt mich an, dass ich nicht Leben kann, wo ich will
Warte mal, HÄ?! War Deutschland nicht eines der Länder der Welt, in der Freizügigkeit gesetzlich gesichert ist? Ist es dank der EU nicht sogar möglich, nicht nur in D seinen Wohnort frei zu wählen, sondern sogar europaweit? Hallo? Irgendwie Sozialkundeuntericht verpasst? Oder nicht genug Zeitung gelesen?
Es kotzt mich an, dass ich nicht tragen kann, was ich will
Und nochmal: HÄ?! Also, wer auf diese Art und Weise rumläuft, der trägt jawohl, was er will - oder Moment mal, das ist ein Hilferuf! Ja klar! Er wird von der Plattenfirma gezwungen, so rumzulaufen, und hiermit schreit er um Hilfe...
Es kotzt mich an, dass ich nicht sein kann, wie ich will
Liegt aber womöglich mehr an Inkompetenz als an äußeren Zwängen.
Es kotzt mich an, dass ich nicht sagen kann, was ich will
Er kann unüberlegte Scheiße wie diese hier nicht nur sagen, er kann sogar Lieder draus machen - und jammert dann darüber, dass er nicht sagen kann, was er gerade sagt. Ja, das
[Es] kotzt mich an ...
Es kotzt mich an ...
STAATSFEIND!
Momeeeeent, wieso jetzt eigentlich auf einmal der Staat? Erst dachte ich ja noch, er redet von gesellschaftlichen Umständen, Sitten und dergleichen. Aber jetzt ist es der Staat. Und er ist der Feind? Was hat dieser Mann eigentlich vor? Mord? Vergewaltigung? Oder verwechselt er hier etwa den Staat mit der Gesellschaft? (Wer von Ideologien statt von Idealen redet, dem ist vieles zuztrauen...)
Ich bin ich ...
Ich bin wie ich bin ...
Ich bin ich ...
ich bin wie ich bin ...
Mag jetzt auch etwas überraschend kommen, aber das sind wir alle. ich auch. und du. und du. und sogar du.
Hab keine Lust auf eine Welt
In der nur noch mein Äußeres zählt
Ok, das hier wird eine echt schwierige geistige Leistung, aber: dieser Mensch gehört einer Szene an, die sich primär durch ihr Äußeres von der restlichen Gesellschaft abzugrenzen versucht und zeitgleich eine mehr oder minder starke Abneigung oder zumindest Ausgrenzung gegenüber sogenannten "Normalos" (i.e. Leute, die nicht wie sie herumlaufen) ausübt. Fällt da was auf?
Ich hab die Weichen längst gestellt
ALSO LECK MICH, wenns dir nicht gefällt!
Und was soll ich/sollen wir machen, wenns uns nicht interessiert?
Hab keine Lust nur stramm zu stehn
Um in der Masse unterzugehen
Armes Land, arme Welt
Also FICK DICH, wenns dir nicht gefällt!
STAATSFEIND!
BIN ICH EIN STAATSFEIND?
NEIN, denn der Staat interessiert sich einen Scheiß für dich! Auch wenn es dein Weltbild jetzt ins Wanken bringt - du bist dem Staat egal, er kennt dich nicht, er will dich nicht kennen, du bist nicht wichtig, du bist nicht relevant für ihn, du bist einfach nur irgendein Kerl, der nicht erwachsen werden will und nicht checkt, dass die Welt sich nicht nur um ihn dreht.
Vielleicht schwimme ich gegen den Strom
Doch auch ich bin Teil dieser Nation
Der Staat diktiert, inspiziert und kontrolliert
Während ihr euch abgestumpft reproduziert
Sagt ausgerechnet der Mensch der dieses Lied mitzuverantworten hat. Hauptsache die Klappe groß aufreißen und schön den Dicken markieren. Scheiß auf Glaubwürdigkeit, scheiß auf Konsistenz - wir haben ja unsere Idealogien oder wie die Dinger heißen. Fettes FAIL.
Ich hab es satt dumm rum zu lügen
Und mich dem Schema F zu fügen
Wenn es nicht anders geht, dann HASS MICH, HASS MICH!
Wenn du mich ändern willst, FICK DICH, LECK MICH!
Nochmal: Du bist nicht der Nabel der Welt. Die Welt interessiert sich nicht für dich, und egal wie viel Kunstblut du dir ins Gesicht schmeißt, die Welt hat keinen Grund, dich zu hassen.
[Wiederholungsblabla]
STAATSFEIND!
BIN ICH EIN STAATSFEIND?
Nein, für dich gibt es den Ausdruck YAAFM.
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Tja, und dieses Lied kommt natürlich an. Ist ja auch verständlich, wär ich ein 16-Jähriger, der Stress mit der Mama hat, würd ich mich auch so fühlen, als würde ganz Deutschland, vom kleinen Streifenpolizisten über Kommissar Rex bis hin zur Merkel mich hassen, jagen, verstoßen und so weiter und so fort. Das bringt dann dolles Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn man miteinander zu diesem geilen Song auf der Tanze abzuckeln kann und glaubt, man gehöre wegen der Ideologie (haha!) und der gleichen Kleidung (die nur aussagt, dass man nicht auf Äuerlichkeiten achtet!! klar... -.-) zusammen.
Leute, werdet erwachsen und kommt aus eurer peinlichen Opferhaltung raus! Da gibt es keinen Feind. Weder ihr seid einer noch ist der Staat euer Feind. Hört einfach auf rumzuheulen!
So kann das anfangen
Gruß zum Gott und Willkommen beim Zähne Fletschen.
Dieser hier hat über eineinhalb Jahrzehnte in einer Musikrichtung, die unter den Bezeichnungen EBM, Electro, Industrial & Co.nsorten läuft, sein Heil gesucht und lange Zeit auch gefunden. Diese Zeit ist vorbei.
Seit einigen Jahren kommt da kaum mehr etwas, was diesen hier emotional anspricht, weder auf tragische, noch auf humorvolle und vor allem nicht auf energetische Weise. Wo sich früher zu nicht nur einer Eclipse ein herrliches Feedback ergab, das in irregulären Zeit Abständen an Flanderns siebten Bunkertor fragte, wo Iphigenie eigentlich steckte; wo neue Nationen Solita(i)ry spielten und irgendein Funker sich zum zweiten Mal bewegte - und von mir aus auch wo ein ewiger Schlaf in lateinischer Weise ein Kraftwerk nachahmte,
da wird heute gefickt (Fick mich), gefickt (... und ficken [ansonsten muss die da echt nix]), geschluckt (und zwar "sein" Äh... ja, kuhl? aaaat) und nochmal gefickt (oder getanzt oder beides).
Neben diesen jämmerlichen Ausdrücken fehlender Bedürfnisbefriedigung (damit sind jetzt die oftmals an epileptische Anfälle erinnernden Hüpfeinlagen der Ventilatoren dieser Musikergüsse (welch Wortwitz) gemeint) gesellen sich schwarzplakative Identitätskrisenmanagementlösungen, ebenfalls auditiver Natur, die in deutlicher Weise ihre imaginären Zugehörigkeitsdefinitionen illustrieren. Diese verlieren sich dann in der Illusion, dass die "böse Welt da draußen" sie - die echten Teufel und Staatsfeinde - wirklich hasst, womit sie sich dann ihre Existenz berechtigen. Aber gut, ich habe diesen IKM-Lösungen selber angehangen, Asche auch auf mein Haupt. Doch das wird mich nicht davon abhalten, in unregelmäßigen Abständen hier Zeilen zu posten, die im amerikanischen Sprachraum als "rant" bekannt sind, und manche Neuveröffentlichung der musikalischen "schwarzen Szene" zum Fokus haben.
Denn ich habe seit Jahren kaum mehr hochwertige Musik gehört, und diese Frustration will nun endlich raus. Mein Beileid an alle Beteiligten.
- Rhyllgar